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Archive for 27. Juli 2011

Umweltschutz

Heute statten wir dem John Pennekamp State Park auf der Atlantik-Seite von Key Largo einen Besuch ab. Das Wasser war etwas erfrischender, da gefühlte drei Grad „kühler“ als vor unserer Lodge – aber damit immer noch über dreissig Grad warm.
Im deutlich tieferen Nass erschnorchelten wir die originalen (aber künstlich arrangierten) Kanonen, eines 1715 einem Hurricane zum Opfer gefallenen spanischen Schiffs.

In den von uns bisher besuchten State Parks wird Umweltschutz gross geschrieben. „Getting greener“ ist das Motto. Abfalltrennung und strenges Ahnden von Umweltvergehen sollen die Natur besser und nachhaltig schützen. Littering ist den Behörden sichtlich ein Dorn im Auge.
Doch da war doch noch was? Richtig: CO2-Emissionen. Dass unsere Gastgeber zu diesem Thema eine andere Einstellung haben als wir Schweizer ist nichts Neues. Hier ein exemplarisches Beispiel, dass dies auch so gelebt wird: Heute vor dem Waschsalon.
Das tägliche Gewitter hat die Luft feucht und heiss gemacht. Das Platzangebot an Stühlen im klimatisierten Waschsalon ist beschränkt, die Sitzgelegenheiten outside sind zwar leer, aber temperaturbedingt unattraktiv. Also was tut der Einheimische? Er startet die Trommel, setzt sich in sein klimatisiertes Hubraum-Ungetüm und wartet. Die Klimaanlage läuft natürlich nur wenn’s Sechsliter-Motörchen brummt. Und das tut es. Geschlagene neunzig Minuten lang – waschen und tumblern – sorgt die Benzinverbrennung im stehenden Auto für angenehme Verhältnisse. Dazu das Notebook am Zigarrettenanzünder angedockt und gratis Surfen im Internet ist Tatsache, da hier jedes einigermassen innovative Geschäft einen freien Zugang zum WWW anbietet. So auch unser Waschsalon.
Auf einen Schweizer, der bei Rot den Motor abstellt und dem gesellschaftlicher Druck, gesetzliche Vorgaben, moralische und ethische Werte die Lust am Autofahren längst vermiest haben, wirkt der hiesige Umgang mit Benzin schon etwas befremdlich. Treibstoff scheint hier ein unbeschränkt verfügbares, für alle gesellschaftlichen Schichten erschwingliches Gut zu sein. Also: CO2 – who cares?
Ich weiss. Die Europäer versuchen mit gutem Beispiel voranzugehen. Einer muss ja schliesslich. Doch wie war das noch mal mit dem Tropfen auf den heissen Stein? In den USA fahren ja auch die Züge mit Diesel. Und wegen der anhaltenden Finanzkrise ist das Vermindern des CO2-Ausstoss‘ auf der Agenda der Regierung Obama wohl weit nach hinten gerutscht.
Ich bin ehrlich: Ich stelle den Motor bei Rot erst wieder in der Schweiz ab…

Ach ja. Und morgen beginnt hier die Lobster Season. Warum ich das weiss? Weil mich zwei freundliche Police Officers von oben herab (nämlich von ihrem Boot aus) ins Bild setzten. Ohne Taucherflagge wagte ich mich zu weit raus, wobei ich ihre Aufmerksamkeit weckte. Sie ersparten mir die $59 Busse, erläuterten mir, dass während der morgen beginnenden Lobster Season das Schnorcheln nicht mehr erlaubt sei und baten mich, wieder ans Ufer zurück zu schwimmen. Sie hatten ein Herz für einen Treibstoffsparer aus dem alten Europa.

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